
Matthias Claudius wurde am 15. August 1740 in Reinfeld/Holstein geboren. Sein Vater und seine unmittelbaren Vorfahren waren Pastoren, drei seiner Söhne setzten diese Tradition fort. Claudius besuchte die Lateinschule in Plön, studierte in Jena zunächst Theologie, dann Jura und Kameralistik, arbeitete ein Jahr lang als Sekretär in Kopenhagen und wurde 1768 Journalist bei den „Hamburgischen Addreß-Comtoir-Nachrichten“. Ab 1771 redigierte er die von dem Wandsbecker Gutsherrn Baron Schimmelmann veranlasste Zeitung „Der Wandsbecker Bothe“; wegen ihres originellen Feuilletons mit Beiträgen von Claudius und namhaften anderen Autoren war sie in ganz Deutschland bekannt, blieb aber unrentabel und wurde 1775 eingestellt. Seit 1772 war Matthias Claudius mit der Wandsbecker Zimmermannstochter Rebekka Behn überaus glücklich verheiratet; zwölf Kinder gingen aus ihrer Ehe hervor. Eine enge Freundschaft verband das Ehepaar Claudius mit dem Dichter Johann Heinrich Voß, der in den Jahren 1775 bis 1778 in Wandsbeck lebte, und mit dessen Ehefrau Ernestine seit ihrer Heirat 1777, sowie mit Johann Gottfried Herder und dessen Familie.

Nach einer unglücklichen Episode 1776/77 in Darmstadt – als Beamter bei der vom Landgrafen eingerichteten „Land-Commission“ und als erster Redakteur der „Hessen-Darmstädtischen privilegirten Land-Zeitung“ – lebte Claudius auf Dauer wieder in Wandsbeck. Zwischen 1775 und 1812 veröffentlichte er – neben diversen Übersetzungen – seine Gedichte und Prosatexte als „Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen“ in acht Teilen; den Zeitungstitel übertrug er auf sich, da er sich zunehmend als Bote des christlichen Glaubens verstand. Eine Bankrevisorstelle gab ab 1788 materielle Sicherheit. Die Flucht vor französischen Truppen zwang Claudius 1813/14, Wandsbeck monatelang zu verlassen. Am 21. Januar 1815 starb er in Hamburg im Haus seines Schwiegersohns, des Verlegers Ch. F. Perthes, vier Tage später wurde er in Wandsbeck beigesetzt.
Claudius’ Grab und das seiner Frau sind auf dem Historischen Friedhof neben der Wandsbeker Christuskirche zu finden. Ferner erinnert an Matthias Claudius ein Gedenkstein im Wandsbeker Gehölz, der 1840 zu seinem 100. Geburtstag errichtet wurde, sowie eine von Bernd Stöcker 2001 geschaffene große Bronzeplastik auf dem Wandsbeker Marktplatz, „Der Ehrensprung“ (in Anlehnung an einen Kupferstich und einen Passus in Claudius’ Werken). Eine weitere Claudius-Skulptur Stöckers von 1990 steht neben der Matthias-Claudius-Kirche in Hamburg-Oldenfelde. – Das Haus an der Hamburger Straße (heute Wandsbeker Marktstraße 20/22), in dem Claudius mit seiner Familie ab 1781 lebte, wurde 1943 bei den Luftangriffen auf Hamburg zerstört; das dann an dieser Stelle errichtete Gebäude, das zeitweise auch die „Matthias-Claudius-Bücherhalle“ beherbergte, weist auf einem Steinbalken über dem Eingang auf die Bedeutung des Vorgängerbaus hin. – Im Wandsbeker Heimatmuseum (Böhmestraße 20) ist ein Raum dem Leben und Wirken des ‚Wandsbecker Boten’ gewidmet. Die 1872 eröffnete Höhere Bürgerschule, später Gymnasium, wurde bereits 1890, zum 150. Geburtstag des Dichters, in „Matthias-Claudius-Gymnasium“ umbenannt; an dessen Hauptbau zur Schlossstraße hin ist eine Porträtplakette angebracht.
(‚Wandsbeck’ ist die historische, ‚Wandsbek’ die heutige Schreibweise des Ortsnamens.)

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