Unter dem Eindruck der Zerstörungen, die der Zweite Weltkrieg auch in Wandsbek hinterlassen hatte und von denen auch Stätten der Erinnerung an Matthias Claudius und seine Familie betroffen waren, initiierte der Wandsbeker Pastor D. Dr. Wilhelm Jensen im Jahr 1948 die Gründung einer „Matthias-Claudius-Gesellschaft“ mit dem Ziel, solche Erinnerungsstätten in Wort und Bild zu bewahren und Claudius’ Werk zu verbreiten. Nach Jensens Tod im Jahr 1960 wurde es jedoch still um diese Gesellschaft.
So regte der in Wandsbek im Ruhestand lebende Pastor Gerhard Schade im Jahr 1970 anlässlich der 100. Wiederkehr der Verleihung der Stadtrechte an Wandsbek die Wiedergründung an, nun mit dem Namen „Claudius-Gesellschaft“ und mit dem Status eines eingetragenen gemeinnützigen Vereins. Über die Aufgaben der Gesellschaft bestimmt § 1 der Satzung u.a., dass sie durch Vorträge, Anregung und Unterstützung von Veröffentlichungen über Matthias Claudius das geistige Erbe des ‚Wandsbecker Boten’ pflegt. Sie hat ausschließlich kulturelle Ziele und ist als gemeinnützig anerkannt (Vereinsregister Hamburg 69/VR/7492).
Die Claudius-Gesellschaft mit derzeit rund 90 Mitgliedern hat sich im Lauf der Jahre von einer kleinen örtlichen Claudius-Liebhaber-Gemeinschaft zu einer überregionalen literarischen Gesellschaft entwickelt. Hauptziel ihrer Arbeit ist die Vermittlung eines möglichst objektiven Claudius-Bildes. Die neuere Claudius-Forschung hat bewusst gemacht, dass die verbreiteten Klischees von einem launig-idyllischen oder fromm-erbaulichen oder existentiell denkenden Dichter oder prinzipiellen Aufklärungsgegner so nicht haltbar sind, weil sie Einzelaspekte verabsolutieren und damit weder der Vielschichtigkeit der Persönlichkeit Claudius’ noch der inneren Einheit seines Gesamtwerks gerecht werden.
Mit ihren Mitteln bietet die Claudius-Gesellschaft Vorträge und andere Veranstaltungen an und fördert Publikationen z.B. durch Zuschüsse. Vor allem stellen die „Jahresschriften der Claudius-Gesellschaft“, die Dr. Reinhard Görisch (Marburg) im Auftrag der Gesellschaft herausgibt, ein Forum der aktuellen Claudius-Forschung dar (siehe Publikationen); sie erscheinen seit 1992 jährlich im November. Neben vielfältigen Beiträgen zu Leben, Werk und Wirkungsgeschichte von Matthias Claudius enthalten sie eine für die Beschäftigung mit diesem Autor unentbehrliche annotierte Jahresbibliographie (fortlaufend ab Berichtsjahr 1990), die von Prof. Dr. Herbert Rowland (Lafayette, USA) bearbeitet wird. Mitglieder der Claudius-Gesellschaft erhalten die ‚Jahresschriften’ kostenlos.
Als weiteren Schwerpunkt betrachtet die Gesellschaft die Pflege und ständige Erweiterung ihres Claudiusarchivs, das sich in Wandsbek im Matthias-Claudius-Gymnasium, Witthöfftstr. 8, 22041 Hamburg, befindet. Das Archiv umfasst vorwiegend alte und neue Spezialliteratur zu Leben und Werk von Matthias Claudius, zu seiner Zeit und zu ihm nahestehenden Zeitgenossen. Neuerdings wird es um Tonträger mit Vertonungen von Claudius-Texten ergänzt. Die Benutzung des Archivs ist nach Vereinbarung am Ort und in begründeten Ausnahmen durch befristete Ausleihe möglich.
Einmal jährlich (in der Regel am ersten Montag im November) treffen sich die Mitglieder der Claudius-Gesellschaft zur Jahreshauptversammlung. Der Vorstand wird alle vier Jahre neu gewählt. Berichte über die Gesellschaft und ihre Aktivitäten sind in der Monatszeitschrift „Wandsbek informativ“ zu finden.
Der Vorstand der Claudius-Gesellschaft (im November 2010 für vier Jahre gewählt):
Vorsitzender: Dr. Reinhard Görisch, Marburg
Stellv. Vorsitzender: Hans-Eberhard Langemaack, Hamburg/Berlin
Schatzmeister: Hans-Günter Haack, Hamburg
Beisitzer: Rudolf Greiner, Hamburg, und Martin Grieger, Hamburg
|