Brief an Andres die Illumination betreffend

 

  Wir haben hier heint nacht Illumination gehabt, mein lieber Andres. Sieht Er, da hangen denn Lampen in allen Hecken und Bäumen, und sind solche Bogen und Säulen mit Lampen, und so 'n S. Michael der nach dem Lind-wurm stößt, und die Gartenhäuser sind voll Lampen über und über, und dicht am Wasser sind Lampen, daß man die Fische kann spielen sehen, und gehn so viel Leut' aus Hamburg im Garten hin und her, sieht Er, und das heißt denn Illumination und ist recht kuriös zu sehen, und kostet viel öl. Ja, Andres, wir beide hätten unser Lebelang daran zu brennen gehabt, aber damit wär keine Illumination geworden, Andres, und wer 'n öl denn so hat, sieht Er, der läßt 'n denn so brennen.

  Dergleichen llluminations nun sind nur für große Herren und Potentaten, doch kann unsereiner 's auch sehen, und Er hätt's auch sehen können wenn Er nicht immer am unrechten Ort wär. Ich hätt's Ihm wohl vorher melden können, aber ich dachte, 's wäre auch noch Zeit, wenn Er's nur nachher erführe. 's ist hier ein Prinz gewesen und eine Prinzessin, sieht Er, und darum hat's der gnädige Herr auch so schön gemacht, und die Kanonen auch lösen lassen. Wollte doch, daß ich's Ihm vorhergeschrieben hätte, so hätt' Er die Kanonen auch hören können. Doch, wenn Er leben soll, hat Er ja wohl noch Gelegenheit Kanonen zu hören. Ich wills Ihm sonst auch schreiben wenn wieder Illumination ist.

  Sapperment, Andres, das waren 'nmal viele Lampen! auch stand der Mond am Himmel und schien - für den Prinzen, und für uns alle. Leb Er wohl. etc.

(1772 / 1775)