Mitgliederversammlung  2017

Die Mitgliederversammlung der Claudius-Gesellschaft fand am Sonnabend, 30. September 2017 um 15.00 Uhr im Gemeindehaus der Christus Kirche Hamburg-Wandsbek (Schlossstr. 78, 22041 Hamburg, gegenüber der Kirche) statt.

Zunächst hielt Stephan Lesker M. A. einen Vortrag mit dem Titel "... Und setze mich auf Extrapost, Land Asia zu besuchen." - Eine Reise zu den "Urkenntnissen" der Menschheit: Die Asiatische Vorlesung  von Matthias Claudius.

 

Claudius hat Asien in seinem Leben nie bereist. Dafür hat er sich in seinen Texten oft ausgemalt, wie ein Besuch auf dem fremden Kontinent hätte sein können. Urians Reise um die Welt oder die Nachricht von meiner Audienz beim Kaiser von Japan sind nur zwei Zeugnisse aus seinem Werk, die dies belegen. Die Asiatische Vorlesung, die in der Claudius-Rezeption eher ein Schattendasein führt, ist das umfangreichste Zeugnis der Faszination, die der Wandsbecker für diesen unermesslich großen Kulturraum hegte. Handelt es sich bei seinem Text aber tatsächlich um eine „Vorlesung“? Die Irritationen, die dieser Titel verursachen könnte, hat Claudius eingangs selbst thematisiert – seinem Leser immer einen Schritt voraus. Claudius gibt Auskunft über einen Raum, der zwar als Ursprung der menschlichen Kultur angesehen wurde, jedoch in Europa als rückständig galt. Er respektiert Asien als Wiege des Menschengeschlechts, und schlägt literarisch Kapital aus der Inkommensurabilität der zivilisatorischen Maßstäbe zwischen Morgen- und Abendland.

Der Vortrag von Stephan Lesker ging dem Text und seinen Quellen nach, stellte ihn in den Kontext des Werkes und zeigte auch, dass Claudius vom Orient fasziniert war und an ihm seinen (Sprach-)Witz erprobte.

 

Stephan Lesker M. A. (Jahrgang 1984) studierte von 2005-2011 Germanistik, Philosophie und Kommuni-kationswissenschaften an der Universität Rostock, wo er von 2011-2015 Lehrbeauftragter war. Seit 2015 ist Stephan Lesker wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Literatur der Universität Rostock.

eine  rose  für  die  dichter

fand am Sonnabend, 3. Juni 2017 (um 14.00 Uhr)
auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg statt.

 

Der Treffpunkt war auf der Friedhofsseite des Bestattungsforums (Fuhlsbüttler Str. 758, U-/S-Bahnstation Ohlsdorf) auf der großen Treppe gegenüber dem Mahnmal für die Opfer der NS-Verfolgung.  Von dort sind wir zu Fuß zum Grab von Wolfgang Borchert [AC5 (6)] gegangen. Die Dauer der Veranstaltung betrug ca. 30 Minuten.

Jedes Jahr am ersten Juni-Wochenende ehrt der deutschlandweit tätige Verein Literaturlandschaften  Dichterorte mit einem Rosentag. Literaturfreunde sind dabei eingeladen, sich mit einer Rose in der Hand aufzumachen an ein Dichtergrab oder an einen anderen mit einer Schriftstellerin oder einem Schriftsteller verbundenen Ort, um mit dieser kleinen Geste an die Person und das Werk zu erinnern.

 

2016 nahm die Claudius-Gesellschaft e. V. erstmals an der Aktion teil. In diesem Jahr ist eine kleine Gruppe am Grab Wolfgang Borcherts zusammenkommen. Mit Wolfgang Borchert, er starb vor 70 Jahren, ehren wir einen Dichter, dessen literarischer Pazifismus („Dann gibt es nur eins!“) durchaus auch auf Matthias Claudius zurück-weist, der mit seinem oft zitierten „Kriegslied“ für eine vehemente Anklage von Kriegsgräueln und Kriegsleid steht.

 

Doch auch weitere zumeist vergessene Hamburger Schriftsteller/innen, deren Gräber wir nicht alle besuchen konnten, an die wir aber hiermit und mit dem einen oder anderen vorgetragenen Text erinnerten, haben in diesem Jahr Gedenktage:

Elise Averdieck (110. Todestag), Johanna Auguste Sophie Beier (100. Todestag), Hinrich Borkenstein (240.

Todestag), Barthold Heinrich Brockes (270. Todestag), Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (280. Geburtstag), Johann Georg Greflinger (340. Todestag), Johann Rist (410. Geburtstag/350. Todestag), Hans Erich Nossack (40.

Todestag), der ebenfalls auf dem Ohlsdorfer Friedhof [U22 (8-27)] begraben ist, und natürlich Heinrich Heine (220. Geburtstag) … Wenngleich weder in Hamburg geboren (1797 in Düsseldorf) noch gestorben (1856 in Paris), so hat Heine in Hamburg – in der „schönen Wiege seiner Leiden“ – bis zu seiner Emigration insgesamt ca. sechseinhalb Jahre verbracht.

 

Indem wir eine Brücke von Claudius zu Borchert und anderen Schriftsteller/innen schlagen, können wir dazu beitragen, dass aus der deutschlandweiten Aktion "Eine Rose für die Dichter" neue Impulse für die Kooperation und den Austausch zwischen den literarischen Gesellschaft - und dies nicht nur in Hamburg - erwachsen.

 

Wer beim Rundgang nicht dabei sein konnte, kann hier einen kleinen Eindruck bekommen.

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Arche - Eine  KOMPOSITION  VON  JÖRG  WIDMANN

In der Komposition ARCHE - Ein Oratorium für Soli, Chöre, Orgel und Orchester, die am Freitag, 13. Januar 2017 in der Elbphilharmonie von den Hamburger Philharmonikern unter dem Dirigat des Generalmusikdirektors Kent Nagano uraufgeführt wurde, verwendet Jörg Widmann neben Texten u. a. von Heinrich Heine, Hans Christian Andersen, Klabund, Clemens Brentano und Friedrich Schiller auch vier Gedichte von Matthias Claudius. Im Programmheft dazu schreibt er:

 

„[…] Ich wollte seine Texte unbedingt auf die Arche mitnehmen. Die Einfachheit seiner Sprache, die Bescheidenheit und Demut darin sind im Stande, nicht die Welt zu erklären, das wäre falsch, aber dem Menschen Geborgenheit und Trost zu spenden. Das ist keine falsche Idylle, im Gegenteil; seine Dichtung kommt aus einem sehr norddeutschen Realismus heraus. Er schafft es durch seine Dichtung, dass wir uns aufgehoben fühlen. Diese Claudius-Texte behandeln große Themen: den Tod, die Liebe, den Menschen. […]“ (S. 13 f.)

Von  der  Biographie  zum  roman

eine  rose  für  die  dichter

Michael Pommerening, Erle Bessert, Richard Hölck (v.l.n.r)
Michael Pommerening, Erle Bessert, Richard Hölck (v.l.n.r)
Erstmals hat sich die Claudius-Gesellschaft an der Aktion "Eine Rose für die Dichter", die der überregional agierende Verein Literaturlandschaften seit 1998 pflegt, beteiligt.
Bei strahlendem Sonnenschein sind am Sonnabend, 4. Juni 2016 um Punkt 14 Uhr ca. 25 Interessierte am Grab von Matthias Claudius und seiner Frau Rebecca auf dem Historischen Friedhof in Hamburg-Wandsbek (direkt neben der Christus Kirche) zusammengekommen, um zum Gedenken an den Wandsbeker Bothen  nicht nur eine Rose niederzulegen, sondern - auf Anregung unserer Mitglieder RA Michael Pommerening und Pastor Richard Hölck - auch einen Rosenstock der Sorte "Rebecca" zu pflanzen.

Ausstellung  zum  Jubiläumsjahr

Die Ausstellung "Der ‚Wandsbecker Bothe': Claudius, Klopstock & Konsorten"
war vom 5. Mai bis 15. August 2015 in der Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg-Wandsbek zu sehen. Weitere Informationen zur Ausstellung und den Begleitveranstaltungen finden Sie auf dem Flyer.

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der grosse Claudius-festakt

fand am  Sonnabend, den 12. September 2015 um 12.00 Uhr in der Christuskirche Hamburg-Wandsbek statt.

Zu Ehren des bekannten Dichters sprach Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz. Ebenfalls dabei waren der Wandsbeker Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff, die Vorsitzende der Claudius-Gesellschaft e. V., Erle Bessert, und der Wandsbeker Autor RA Michael Pommerening. Prominenter Gast war der Pop-Sänger und Musiker Michy Reincke, der sein Abitur am Matthias-Claudius-Gymnasium in Wandsbek ablegte. Er trug Gedichte und Texte von Matthias Claudius vor, während der Kirchenkantor der Christuskirche, Gerd Jordan, gemeinsam mit weiteren Musikern für den kammer-musikalischen Rahmen mit vertonten Claudius-Texten, unter anderem von Franz Schubert, sorgte.

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Programm
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seelenverwandte: philippe Otto runge und Matthias Claudius.  Ein Abend mit Kunst-Musik-Literatur

(Donnerstag, 1. Oktober 2015 um 19.00 Uhr in der Hamburger Kunsthalle)

„Was verbindet den romantischen Maler der Hülsenbeckschen Kinder  Philipp Otto Runge mit dem Lyriker und Journalisten Matthias Claudius, dessen bekanntestes Werk Der Mond ist aufgegangen  selbst Kinder kennen?
Beide lebten zeitweise in Hamburg und verkehrten in denselben Künstlerkreisen der Stadt, in denen neben Literatur und bildender Kunst auch Musik eine große Bedeutung hatte. Sogar von einer Seelenverwandtschaft der beiden Künstler spricht Martin Geck in seiner aktuellen Claudius-Biographie. 
Neben einer Führung zu Runges Werken diskutierte Prof. Dr. Hubertus Gaßner mit dem Kurator des 19.  Jahrhunderts, Dr. Markus Bertsch, über Runge und Claudius. Es moderierte Dr. Stefan Brandt. 
Musikalisch gestaltet wurde der Abend von dem bekannten Liedinterpreten Knut Schoch (Tenor) und Henning Lucius (Klavier) mit Werken von Zeitgenossen wie Franz Schubert, Ludwig van Beethoven, Christian Friedrich Daniel Schubart, Carl Loewe, Johann Abraham Peter Schulz u. a.
Veranstalter Kunsthalle Hamburg in Zusammenarbeit mit der Philipp Otto Runge Stiftung

notwendige Berichtigung  der Legende vom braven Mann - Arno Schmidt und Matthias Claudius

Der Vortrag von Prof. Dr. Lutz Hagestedt, Universität Rostock  fand am Montag, den 9. November 2015, um 19.00 Uhr, im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Claudius-Gesellschaft im Gemeindehaus der Christuskirche Hamburg-Wandsbek (Schlossstr. 78 in 22041 Hamburg) statt.

In der Kunst, ebenso wie in der Literatur, entwickelt sich „Wesentliches mitunter vom Rande her“. Arno Schmidt hat sich nicht eingehend zu Claudius geäußert, selten auf ihn angespielt. Kaum ist bekannt, was Schmidt von Matthias Claudius gelesen haben könnte – das Rheinweinlied wird erwähnt, das Abendlied, aber sonst? Der Vortrag postuliert, dass Matthias Claudius in Schmidts Werk zu den Auctores minores gehört, auf die ein interessierter Seitenblick fällt. Er wird damit anders (geringer) gewichtet, als es seiner Stellung im 18. Jahrhundert zukäme. Zugleich wird die These verfochten, dass Schmidt einerseits mit Stereotypen des Claudius-Bildes der fünfziger Jahre arbeitet, dass er gleichwohl aber spannend-federnd differenziert und dadurch Schätzenswertes an Claudius entdeckt.Prof. Dr. Lutz Hagestedt (Universität Rostock) ist langjähriges Mitglied der Claudius-Gesellschaft. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen im Bereich der Neueren und neuesten deutschen Literatur (von 1750 bis zur Gegenwart). Neben der Belletristik in historischer und systematischer Perspektive interessieren ihn die pragmatischen Aspekte der Literatur und Literaturvermittlung: Buchhandels- und Verlagsgeschichte, Literaturkritik, Literarisches Leben. 

Matthias Claudius – in Musik gesetzt - Zur Wirkungsgeschichte seiner Lyrik in Vertonungen

Vortrag von Dr. phil. Reinhard Görisch, ehem. Vorsitzender der Claudius-Gesellschaft e. V. (Dienstag, den 10. November 2015, 20.00 Uhr in der Evangelischen Akademie Wandsbek, Gemeindehaus, Schlossstr. 78 in 22041 Hamburg)

Viele Gedichte von Matthias Claudius signalisieren schon im Titel, dass sie nicht nur gelesen, sondern gesungen sein möchten, allen voran das „Abendlied: Der Mond ist aufgegangen“ mit der kongenialen Melodie von J. A. P. Schulz. Dieses Lied ist aber mehr als 75mal vertont worden! Und seit 1772 bis in die jüngste Gegenwart sind ca. 1.300 Vertonungen zu ca. 120 Claudius-Texten nachweisbar, die auf ihre Weise Gedichte des Autors vermitteln und interpretieren. Der Vortrag ging insbesondere auf wirkungsgeschichtliche Aspekte ein, daneben wurden etliche Musikbeispiele vorgestellt.

boten der Poetik - eine Begegnung in hamburg

Lieder von Gustav Mahler und Othmar Schoeck´s "Wandsbeker Liederbuch" nach Matthias Claudius (Sonntag, 6. Dezember 2015, 16.00 Uhr, im Lichtwarksaal, Neanderstr. 22 in 20459 Hamburg)
mit Britta Glaser (Mezzosopran) und Matthias Veit (Klavier / Rezitation)

Kurzvorträge von Prof. Dr. Laurenz Lütteken, Vorstand Musikwissenschaftliches Institut Zürich,
und
Erle Bessert M. A., Vorsitzende Claudius-Gesellschaft e.V.

Eine Kooperation mit der Gustav Mahler Vereinigung e. V. Hamburg